Küste, Wattenmeer und Salzwiesen bei St.
Peter-Ording zeigen eine besondere Artenvielfalt: neben Würmern, Muscheln,
Fischen, Vögeln, Seehunden und Schweinswalen haben sich ganz spezielle
Eulen dort angesiedelt.
Vorerst nur vereinzelte, dezent verteilte Eulen weisen
dem Besucher den Weg zur 3-Sterne-Herberge mitten in den Dünen - unweit
der duftenden Salzwiesen, des Weltnaturerbes Wattenmeer und dem endlosen
Sandstrand. Die tierischen Beobachter aus Ton, sandfarben und auch blau
lasiert, lauern auf dem sandigen Boden oder hinter Hortensien und Kiefern.
Ein paar Meter weiter begrüßen
Eulenfamilien unterschiedlicher Größe den aufmerksamen Gast
von Grünflächen aus. Allen gemein sind ein großer runder
Kopf, die stolze aufrechte Haltung, die wachsamen Tubularaugen und der stark
gekrümmte Schnabel.
Die Sinne schärfen für
Eulen
Am Eingang zum Haupthaus setzt sich die Eulenparade
fort. Plüscheulen, die an der Hauswand hängen, werden flankiert von
Holz- und Steineulen am Boden. Auf dem Weg zur Rezeption muss der Gast vorbei
an weiteren Exemplaren dieser nachtaktiven Vögel, denen man nachsagt,
weise zu sein.
Früher hieß der Ort einmal "Pension
Eichhörnchen". "Die Vorbesitzer haben das Hotel dann in 'Eulenhof'
umbenannt", erzählt Gisela Herth und schüttelt mit dem Kopf. Eine
Erklärung dafür hat die Hotelchefin nicht. Vielleicht, weil sich hier
vor Ort die Eulen irgendwann gegen die kleineren Waldbewohner durchgesetzt
haben.
Echte Eulen habe es jedenfalls tatsächlich
gegeben, berichtet Gisela Herth. "Die hatten sich im Backsteingemäuer auf
dem Gelände eingenistet". Sie selbst habe gar keine große
Affinität zu diesen Tieren gehabt. Bis irgendwann vor gut zehn Jahren die
erste Eule am Empfang aufgetaucht sei, erinnert sich die Eigentümerin. Ein
Vater und sein Sohn hatten sie aus Muscheln gebastelt. Das war der Anfang einer
langen Schaffensperiode.
Eigene Kreationen und Ansammlungen von großen
Uhus, mittleren Käuzchen und kleineren Schleiereulen - so genau sind die
Nachbildungen der Gattungen nicht voneinander zu unterscheiden. Allesamt
zählen sie zur Ordnung der Eulen. Die Treppenhäuser zieren Galerien
mit dieser Spezies. In den Sommerferien übertrumpfen sich Kinder bei
Eulen-Malwettbewerben. Kinder waren es auch, die mit dem Zählen der Tiere
anfingen. "Bei etwa 1300 haben sie aufgehört", lacht Gisela Herth. Das sei
schon ein paar Jahre her, und inzwischen seien schon wieder hunderte hinzu
gekommen.
Von Eulen aus aller Welt
umzingelt
"Viele Gäste entdecken zuhause oder auf
Flohmärkten plötzlich Eulen, erinnern sich an den Urlaub und schicken
sie uns zu als Dank", erzählt Gisela Herth. Sie ist eine Frau,
die Wert auf heimelige Atmosphäre im Haus legt und mit ihren
Mitarbeitern dafür sorgt, dass dem Gast bei Bedarf auch einmal ein Knopf
an der Jacke angenäht wird. Sie habe gar nicht gewusst, wie viele Leute
irgendwo Eulen entdecken oder überhaupt erst wahrnehmen, nachdem sie im
"Eulenhof" zu Gast waren.
Jedes Mitbringsel hat seine eigene Geschichte. Gisela
Herth fand "ihren" Vogel auf Mallorca. Ein spastisch gelähmtes
Mädchen hatte ihn aus Pappmachee gebastelt.
Die weiteste Anreise hatte eine Eule aus Japan. Ein
Lehrer, den es einmal im Jahr ins Land der Dichter und Sammler zieht, zog sie
aus dem Koffer.
Zwischen Kitsch und Kunst
Das wertvollste Exemplar hat einen schmiedeeisernen
Fuß, einen Korpus aus buntem Glas und einen Kupfer-Kopf.
Blumentöpfe, Windspiele, Uhren, Schuhlöffel, Kleiderbügel,
Thermometer, Aschenbecher, Salzstreuer, Buchstützen, Steiff-Tiere. Es gibt
wohl nichts, was es nicht gibt in Eulenform. Sogar in Lakritzform zum Naschen
liegen sie bereit. Letztere genießen ausnahmsweise keinen Artenschutz.
Eine von Aussterben bedrohte
Spezies
Der Lebensraum von Eulen wird in Deutschland zunehmend
eingeschränkt durch Bebauung naturnaher Gebiete. Alter Baumbestand, den
Eulen als Verstecke und Brutstätten nutzen, wird abgeholzt. Eulen,
Käuze, Uhus fliehen vor Mensch und Autoverkehr, verenden in
Stromleitungen. Heute engagieren sich mehr und mehr Tierschützer für
den Erhalt der unermüdlichen Mäusejäger, indem sie zum
Beispiel Nistkästen bauen.
Wer sich im Laufe seines Aufenthalts intensiver mit
den nachtaktiven Geschöpfen beschäftigen will, der kann dazu den
"Eulenführer" zur Hand nehmen. Auf 200 Seiten erfährt der
Interessierte alles über 3000 "Eulen-Attraktionen" weltweit.
Denkmäler, Schulen, Universitäten, Restaurants mit Eulenlogos,
Vogelparks und Zoos, naturhistorische und naturkundliche Museen sind dort
aufgelistet.
Die tierische Hoteldeko fördert die
Kommunikation
Gäste, die sich zuvor nicht kannten, kommen
über die Eulen ins Gespräch. Viele staunen über die Vielfalt an
Formen und Materialien. Einige "Uhurlauber" geben eigene Eulengeschichten zum
Besten oder plaudern über ihre persönlichen
Sammelleidenschaften. "Einige wenige Gäste fühlen sich
überfordert von der massenhaften Präsenz", gibt Gisela Herth zu.
Ignorieren kann die Tierchen jedenfalls keiner. Auch
nicht die Mitarbeiter, die für die Reinhaltung sorgen. "Doch die Luft an
der Nordsee ist so rein, dass sämtliche Eulen nur zwei Mal pro Jahr
entstaubt werden müssen", freut sich Gisela Herth. Insofern sind die
Dauerbewohner des Dünen-Hotels "Eulenhof" durchaus pflegeleicht.
Autorin: Karin Jäger
Redaktion: Kay-Alexander
Scholz